Die bedeutendsten Grossbauprojekte der öffentlichen Hand

Die Marksituation:
Die Zukunft der Schweizer Bauindustrie ist im Wandel. Eine Konjunkturabkühlung sowie zunehmende Leerstände auf dem Mietwohnungsmarkt führten zu einer Zurückhaltung bei der Planung neuer Projekte. Mittelfristig werden Bauprojekte der öffentlichen Hand an Wichtigkeit stark zulegen und Bund, Kantone und Gemeinden einen Grossteil des hiesigen Neu- und Umbauprojekten vergeben und beauftragen.

Der Wohnungsbau ist nach einem stetigen Anstieg nun an einem Punkt angekommen, wo das Angebot an Wohnraum die Nachfrage übersteigt. Eine Ausnahme bilden noch die grössten Schweizer Städte. Kostenbetrachtungen sowie neue Konzepte der Arbeitsplatzgestaltung, wie Co-Working Space, Job-Sharing oder Homeoffice werden in Zeiten wie diesen weiter an Bedeutung gewinnen und eine weitere Stagnation bei Retail- und Bürobauten nach sich ziehen. Zudem hat die aktuelle Corona-Krisedie Schweiz fest im Griff und führt zu einer Abschwächung der Bautätigkeit der Privatwirtschaft. Je länger diese andauert, desto schwieriger werden Prognosen und desto eher könnten Konkurse wie auch Zahlungsschwierigkeiten einzelner Marktteilnehmer in der aktuellen wirtschaftlichen Stresssitutationen zu einem Domino-Effekt führen und Projekte zum Stoppen zu bringen.

Die Bedeutung der öffentlichen Hand als Investor in der Baubranche wird weiter steigen, vor allem in den Bereichen Bildung und Infrastruktur. Es ist zu erwarten, dass bald nach Eindämmung der Krise auch Projekte im Gesundheitswesen angestossen werden. Bund und Kantone werden Hilfspakete schnüren, um die Wirtschaft nach Corona wieder auf Trab zu bringen. Kurz um, die öffentliche Hand wird nach Corona eine sehr wichtige und spannende Rolle einnehmen.

Wir wollen fünf spannende Bauprojekte für Sie highlighten:

1. ZHAW School of Engineering, Winterthur: Ausbau zu einem Campus mit Park

Die für den Ausbau benötigten neuen Gebäude auf dem Areal Technikumstrasse sowie der Freiraum sollen in vier Etappen realisiert werden. Mit der Projektierung und Ausführung der 1. Etappe wird die Arbeitsgemeinschaft von Graber Pulver Architekten und Takt Baumanagement (beide aus Zürich) mit ihrem Siegerprojekt “BELO HORIZONTE” beauftragt. In den beiden Glasbauten, die entlang der Eulach zu liegen kommen, sollen neben Labors auch eine Mensa, Büros und Vorlesungssäle Platz finden. Die Gebäude auf dem Campus Technikumstrasse müssen saniert werden. Die Gesamtkosten schätzt die Baudirektion auf 180 bis 220 Millionen Franken. Sofern das Parlament grünes Licht gibt, soll der Baustart Anfang 2022 erfolgen und die Gebäude im Jahr 2026 bezugsbereit sein.

2. Durchgangsbahnhof Luzern: Jahrhundertprojekt

Neben den besseren, häufigeren und schnelleren Verbindungen im Fernverkehr und dem Ausbau des S-Bahn-Systems in der Region Luzern werden oberirdisch Flächen in der Grössenordnung der Altstadt frei: eine einmalige Chance für die Stadtentwicklung. Das Jahrhundertprojekt besteht aus einer unterirdischen Durchmesserlinie und vier tiefergelegten Gleisen. Die Durchmesserlinie verbindet die Achsen Basel/Bern-Luzern und Luzern-Zürich beziehungsweise die Hauptentwicklungsachsen des Kantons Luzern und schafft eine neue Nord-Süd-Verbindung via Luzern. Im Juni 2019 hat das eidgenössische Parlament dem Ausbauschritt 2035 für die Bahninfrastruktur zugestimmt. Für den im Ausbauschritt 2035 ausdrücklich erwähnten Durchgangsbahnhof Luzern bedeutet dies, dass dessen Projektierung inklusive Auflageprojekt nun erfolgen kann. Im Planungsbericht des Kantons Luzern werden die Kosten für den Durchgangsbahnhof bei 2,4 Milliarden Franken angesetzt.

3. Kantonsspital Schaffhausen, Geissberg-Areal: Sanierung und Ergänzung mit einem Neubau

Beim Architekturwettbewerb für den Neubau überzeugte das Projekt «Canotila» der Arbeitsgemeinschaft Bollhalder Eberle Architektur (St.Gallen) und Itten+Brechbühl AG (Zürich) den Spitalsrat. Geplant ist ein fünfgeschossiger kubischer Neubau mit drei Innenhöfen. Darin sollen die ambulante und stationäre Akutsomatik sowie weitere Funktionen untergebracht werden. Die Trakte aus den 1950er Jahren werden saniert, die beiden Bauten aus den 1970er Jahren nach Bezug des Neubaus abgebrochen. Als nächstes soll das Bauvorhaben überarbeitet und ein Vorprojekt erstellt werden. Die Kosten dafür liegen in der Höhe von etwa 270 Millionen Franken. Der Baubeginn ist für 2020 vorgesehen, die Bauzeit mit sechs Jahren veranschlagt.

4. Hochschulgebiet, Zürich-Zentrum: Neubauten

Kanton, Stadt, Universität und ETH wollen die Nutzungsfläche der beiden Hochschulen und des Unispitals um rund 40 Prozent erhöhen. Zahlreiche neue Gebäude, eine neue Strasse, neue Parks und Plätze sind geplant, einige denkmalgeschützte Häuser müssen weichen. Die Planung für Berthold, wie das Projekt heisst, reicht bis ins Jahr 2045. Der Kantonsrat hat den Richtplan für die Neubauten genehmigt. In den von der Baudirektion auszuarbeitenden Gestaltungsplänen für die einzelnen Bauvorhaben werden die Eckdaten für die folgenden Architekturwettbewerbe festgelegt. Die erste Ausbauetappe soll zwischen 2022 und 2025 realisiert werden. Bis alle Bauten stehen, dürfte es 2045 werden. Kanton und Bund wollen 4,5 Milliarden Franken in die Vergrösserung und Weiterentwicklung der Universität, des Universitätsspitals und der ETH im Zentrum investieren. Der Kantonsrat hat die Höchsthöhe der Bauten auf 512 Meter über Meer festgelegt, das höchste Gebäude könnte somit zwischen 50 und 60 Meter hoch sein.

5. Olma Messe, St.Gallen: Neue Messe- und Eventhalle

Die Autobahn A1 beim Eingang zum Rosenbergtunnel direkt neben dem bestehenden Olma Areal soll nach Vision der Olma Messen überdacht und darauf eine neue Halle errichtet werden. Das Team aus den Architekten Ilg Santer aus Zürich, den Ingenieuren Pedrazzini Guidotti aus Lugano und der META Landschaftsarchitektur aus Basel konnte sich gegen 54 Planerteams behaupten und die Jury im Projekt-Wettbewerb «Olma-Neuland» nach zwei Rundgängen für sein Projekt «Halle 1» gewinnen. Die Überdeckung Rosenbergtunnel soll 2021 und 2022 gebaut werden, bevor 2023 und 2014 die neue Messe- und Eventhalle entsteht. Die Kosten für den Erweiterungsbau werden hauptsächlich durch die Genossenschaft Olma Messen St.Gallen getragen. Die Finanzierung der Autobahnüberdeckung wird mit 30 Mio. Franken durch die Stadt und den Kanton St.Gallen gestützt. Die Totalkosten des Projekts inkl. Autobahnüberdeckung sind mit 164 Mio. veranschlagt.

Die öffentliche Hand plante bereits vor Ausbruch der COVID-19 umfassende Investitionen in die Zukunft und wird nun umso mehr das Eco-System Bildung, Infrastruktur und Gesundheitswesen nachhaltig stärken.

BCPersonal | Immobilien bleibt am Puls des Geschehens und antizipiert bereits heute die Verlagerung hin zur öffentlichen Hand. Wir bauen das Ecosystem gezielt und nachhaltig auf, um unseren Kunden passgenauen Kandidaten für derartige Projekte präsentieren zu können. Getreu dem Zitat von Konfuzius – Gemeinsamkeiten machen eine Beziehung angenehm, interessant wird sie jedoch erst durch die kleinen Verschiedenheiten – agieren wir gerne als Marktplatz und Katalysator für einen interessanten, Mehrwert schaffenden Austausch.