25. Oktober 2019
Autor: 

Isabella Gyr, Innovation Managerin, Aduno Gruppe

Quelle: 
XING

Mit welcher Denke entsteht Neues?

Wird über die Zukunft gesprochen, ist oft die Rede von digitaler Transformation, von neuen Technologien und agilen Methoden. Doch der wirkliche Treiber für Innovation ist bei denjenigen, die die Technologien überhaupt erst erfinden, die mit dem Kunden sprechen und mit ihm die Welt neu denken. Bei den Mitarbeitenden. Sie sind es, die den Wandel aktiv einleiten und umsetzen. Was die einen als Chance wahrnehmen und im Akkord Projekte realisieren, brechen andere unter dem hohen Innovationsdruck zusammen. Der Grund dafür: Der Unterschied beim Denken und der Einstellung.

Was ist eigentlich Innovation?

Für Innovation gibt es viele Definitionen. Für mich bedeutet es, dass sich eine Idee hervortut, deren Zeit gekommen ist. Wenn das Momentum für ein Thema einfach passt und man spürt, dass man jetzt mit voller Kraft in die Idee reingehen und alle motivieren muss, mitzugehen. Man spürt die Veränderung im Umfeld. Innovation muss dabei nicht immer etwas komplett Neues sein, viel mehr muss die Zeit reif sein, dass eine Idee auch angenommen werden kann. Denn die revolutionärste Idee nützt nichts, wenn das Umfeld sie noch nicht annehmen, sie sich noch nicht entfalten kann. Denn ohne Wirkung bringen Innovationen nichts, sie müssen immer auch genutzt werden, um sich etablieren zu können.

Eine Frage der Einstellung

Die Psychologin Carol S. Dweck ist dem Phänomen, dass Menschen ganz unterschiedlich mit Herausforderungen umgehen, nachgegangen und spricht von Fixed vs. Growth Mindset. In einem ihrer Experimente gab Dweck Schülern eine für sie unlösbare Aufgabe und beobachtete die Reaktionen. Während ein Teil der Schüler frustriert war und es als persönliches Scheitern ansah, dass sie die Aufgabe nicht lösen konnten, reagierte ein anderer Teil komplett gegenläufig: Diese Schüler fanden die Herausforderung spannend und lehrreich, obwohl auch sie die Aufgabe nicht lösen konnten. Dweck leitete daraus ab, dass es zwei verschiedene Mindsets gibt, die im Experiment sichtbar wurden. In Zeiten der digitalen Transformation wird es immer wichtiger, mit Menschen zu arbeiten, die bei Herausforderungen erst richtig aus sich herauskommen und nicht verzweifeln, wenn sie – scheinbar – an ihre Grenzen kommen.

Doch dieses Growth Mindset muss bewusst gefördert werden. Es braucht in Zeiten des Wandels und der Unsicherheit umso mehr kreative, flexible Lösungen. Die Mitarbeiter müssen sich trauen, Fragen zu stellen, Debatten zu führen und über den Tellerrand hinaus zu denken. Genau an dieser Stelle übernimmt die Führung eine große Verantwortung. Sie muss sich von alten Leadership-Prinzipien trennen und ein Vorbild für das Team sein. Vorleben, dass es ok ist, Dinge auszuprobieren, Fehler zu machen, der Kreativität freien Lauf zu lassen. Es braucht Menschen mit Pioniergeist, die andere mitreißen können und Erfolge auch nach außen transportieren.

Innovationskraft im Unternehmen fördern

Der Umgang mit innovativen Ideen ist eine Einstellungsfrage. Es gibt so viele gute Design Thinking Tools, die man anwenden kann, aber das nützt alles nichts, wenn die Innovationskraft nicht da ist. Der Wille, ein Projekt voran zu treiben ist wichtiger als jede Methode. Und dann ist ein Zusammenspiel aus verschiedenen Aspekten, die Innovationskraft fördern.

Die 3 Erfolgspfeiler für Innovation

1. Innovationskultur: Es ist wichtig, am Mindset im gesamten Unternehmen zu arbeiten, Verständnis und Bereitschaft zu schaffen, Innovationen zu unterstützen – und das auch, wenn sie etwas kosten. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass Wachstum auch immer Investition braucht – skalieren ist nicht gratis.

2. Tools: Wenn das Mindset erstmal stimmt, braucht es natürlich auch das richtige Arbeitsmaterial. Tools, Methoden – zum Beispiel von externen Experten – und Zugriff auf das nötige Know-how sind unabdingbar, um in die Umsetzung kommen zu können.

3. Resultate: Eine Idee alleine reicht nicht aus. Sie muss von der Qualität sein, dass sie vorangetrieben und reell umgesetzt werden kann. Am Ende zählt schließlich das Resultat, das physische oder technologische Produkt, das auf dem Markt landet. Ergebnisse motivieren nach innen und repräsentieren nach außen die Innovationskraft des Unternehmens.